21 January 2010
Der Bericht „Global Financial Recovery” basiert auf einer Befragung von 125 Personen international tätiger Kreditinstitute im vierten Quartal 2009. Es ist die fünfte Umfrage der Kanzlei in Folge seit August 2007, die die fortschreitenden Auswirkungen der globalen Finanzkrise aufzeigt.
James Bateson, Head of Financial Institutions, Norton Rose LLP:
„Wir stehen derzeit vor der entscheidenden Frage, ob wir mit Beginn des neuen Jahrzehnts die Weltwirtschaftskrise hinter uns lassen werden. Die Stimmung, die unsere fünfte Umfrage widerspiegelt, ist aufgehellter und optimistischer als diejenige der vorangegangenen Umfragen. Viele Befragte sind der Meinung, dass wir einen Wendepunkt erreicht haben. Auch wenn wir die Nachwehen der Krise in diesem Jahr noch weltweit zu spüren bekommen werden und die Gefahr einer nachhallenden Rezession besteht: 2010 steht in den Augen vieler im Zeichen der wirtschaftlichen Erholung, obgleich ihnen auch bewusst ist, dass der Aufschwung für manche Regionen langsam und zäh sein wird.
Unsere Umfrage macht ebenfalls deutlich, dass der Asien-Pazifik-Raum aller Wahrscheinlichkeit nach am stärksten aus der Krise hervorgehen wird. Viele Befragte sind der Meinung, dass eine Folge der globalen Finanzkrise eine nachhaltige – und möglicherweise unumkehrbare – Verschiebung der Wirtschaftskraft von West nach Ost sein wird.“
Tomas Gärdfors, Banking Partner bei Norton Rose LLP in Frankfurt:
„Der Finanzdienstleistungssektor befindet sich zurzeit in einer Orientierungsphase. Nach Meinung der Befragten werden sich die europäischen Kreditinstitute kurzfristig darauf einstellen, die Realwirtschaft zu unterstützen. Demnach ist zu erwarten, dass die Finanzsteuerung gegenüber dem Firmenkreditgeschäft, der Handelsfinanzierung, der Exportfinanzierung und weiteren traditionelleren Bankaktivitäten in den Hintergrund rücken wird.
Vom Aufschwung profitieren Deutschland und Frankreich schon heute – früher als noch im zweiten Quartal 2009 erwartet. Hierzulande sind 93 Prozent der Auffassung, dass sich die hiesige Marktlage bereits verbessert. Und auch in Frankreich sind 64 Prozent der Ansicht, dass sich die Wirtschaft im eigenen Land zurzeit erholt. Das sind positive Nachrichten, die uns für 2010 neues Vertrauen in die Märkte geben dürften.“
Im Vergleich zu vorherigen Umfragen der Norton Rose Group sind die Befragten diesmal weitaus positiver gestimmt. Der Optimismus, der die Umfrage beherrscht, führt zu der Annahme, dass wir einen Wendepunkt in der Krise erreicht haben.
Wesentliche Voraussetzung für ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum ist die Rückkehr von Liquidität auf den globalen Finanzmärkten. Zwei Drittel der Befragten sind überzeugt, dass sich diese bis spätestens September dieses Jahres einstellen wird.
Die Antworten auf die Befragung bestätigen, dass der Asien-Pazifik-Raum aller Wahrscheinlichkeit nach am stärksten aus der Krise hervorgehen wird. 77 % sind der Auffassung, dass diese Region die weltweite Erholung anführen wird. Im April 2009 vertraten nur 38 % der Befragten diese Meinung.
An der Spitze der sich am schnellsten erholenden Länder wird nach Angaben von 87 % der Befragten China stehen. Außerdem werden Indien und Südkorea als potentielle Gewinner identifiziert. Auch Australien dürfte laut 65 % der Befragten gestärkt aus der Krise hervorgehen. Als mögliche Gründe werden die geografische Lage des Landes und die engen Verbindungen zu seinen asiatischen Nachbarn genannt.
Nahezu die Hälfte der Befragten (46 %) geht davon aus, dass die Erholung langsam, aber stetig verlaufen wird – in der Form eines “U”. Mehr als ein Viertel der Befragten (29 %) sieht einen weiteren Einbruch voraus, bevor sich die Wirtschaft nachhaltig erholen wird (“W”-Form). Während etwa ein Fünftel der Befragten (19 %) davon ausgeht, dass die wirtschaftliche Erholung sehr flach verlaufen wird (“L”-Form), sprechen lediglich 6 % von einem “V”-artigen Verlauf, d. h. einer steilen Erholung.
Im April 2009 waren 70 % der damals Befragten der Auffassung, die Finanzwelt habe sich für immer verändert. Heute ist das Meinungsbild etwas ausgeglichener: die einen gehen von einem Umbruch aus (51 %), während die anderen eine Rückkehr zu alten Gewohnheiten erwarten (49 %).
66 % der Umfrageteilnehmer sind überzeugt, dass weltweit gültige aufsichtsrechtliche Normen notwendig sind. Gleichzeitig gaben 61 % an, dass weltweit gültige Regulierungsstandards praktisch nicht umsetzbar sind. Einige Befragte sind der Meinung, dass Differenzen auf politischer Ebene die Durchsetzung detaillierter internationaler Regelwerke unmöglich machen.
Laut 62 % der Befragten wurde die Finanzkrise nicht durch mangelnde Aufsicht, sondern durch Fehler bei der Um- und Durchsetzung der aufsichtsrechtlichen Regeln verursacht.
Auch mehr als zwei Jahre nach Beginn der Krise haben die weltweiten Bemühungen zur Koordination aufsichtsrechtlicher Standards zu keiner wesentlichen Einigung zwischen den Regierungen geführt. Die Befragten sehen aufsichtsrechtliche Fragen weiterhin auf der nationalen Ebene angesiedelt. Dies unterstreicht die allgemein wachsende Überzeugung, dass wir uns auf dem besten Weg zurück zum „Business as usual“ befinden.
Die vollständige Studie können Sie hier abrufen: Financial Institutions in the Future: Global financial Recovery.
Eine Kurzzusammenfassung der europäischen Ergebnisse erhalten Sie hier: European Summary
Kontakt:
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christine.wolf@nortonrose.com
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